Nachruf

Mit grosser Trauer nehmen wir Abschied von Univ. Prof. Dr. Peter Lind, einem der innovativsten und engagiertesten Nuklearmediziner Österreichs, der uns am 28. März 2026 für immer verlassen hat.

Nach seinem Medizinstudium in Graz begann er am renommiertesten Schilddrüsenzentrum Österreichs unter Prof. Otto Eber seine Ausbildung zum Facharzt für Innere Medizin und Nuklearmedizin bei den Barmherzigen Brüdern in Graz-Eggenberg. Bereits während dieser Zeit gelang es ihm durch enge Zusammenarbeit mit der Medizinischen Universitätsklinik Nuklearkardiologie State of the Art zu etablieren. Kurz nach seiner Habilitation übernahm er 1991 im Alter von nur 33 Jahren als jüngster Primararzt Österreichs die Leitung der Nuklearmedizin am LKH Klagenfurt. Dort setzte er in kürzester Zeit neue fachliche und strukturelle Schwerpunkte und bereits Mitte der 90er Jahre wurde die damals modernste nuklearmedizinische Therapiestation Österreichs eröffnet.

Schwerpunkt seines persönlichen und wissenschaftlichen Interesses waren jedoch immer Innovationen. Er war schlussendlich der Wegbereiter der PET-Diagnostik in Österreich: Im Oktober 1997 wurde der erste Teilring – PET – Scanner Österreichs in Betrieb genommen, 2000 erfolgte (in Kooperation mit der Firma IASON) nach Eröffnung des ersten privaten Zyklotrons bereits der Beginn einer FDG Produktion und im Sommer 2003 ging der zweite PET/CT-Scanner Österreichs in Klagenfurt in Betrieb. Als Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Nuklearmedizin war es ihm zur Jahrtausendwende vorbehalten in Innsbruck die Emeritierung von Prof Georg Riccabona eindrucksvoll zu gestalten. Die von ihm erhoffte und intensiv gewünschte Berufung als Ordinarius für Nuklearmedizin an die Universitätsklinik Innsbruck blieb ihm leider verwehrt.

In der Europäischen Gesellschaft für Nuklearmedizin (EANM) begann er bereits Ende der 90er Jahre seine wissenschaftlichen und organisatorischen Aktivitäten. Ihm war es zu verdanken, dass bereits damals standardisierte und State-of-the-Art Fort- und Weiterbildungen stattfanden. Bis 2007 war er als Dean der ESNM (seit 2015 die heutige ESMIT) federführend für die Etablierung von CME Sessions und Fortbildungsreihen zuständig. Mit der Ernennung zum EANM Honorary Member erfolgte 2013 in Barcelona ein würdiger Abschluss.

In der österreichischen nuklearmedizinischen Community wurde die Nuklearmedizin Klagenfurt als harmonisches, erfolgreiches und engagiertes sowie innovatives Team wahrgenommen. Es gelang Peter Lind sehr erfolgreich drei seiner Mitarbeiter extrauniversitär zur Habilitation zu führen: Hans Jürgen Gallowitsch (Ärztlicher Direktor am Klinikum Klagenfurt), Ewald Kresnik (Primarius, Nuklearmedizin Privatklinik Villach) und Peter Mikosch (Vorstand Innere Medizin II Mistelbach). Seine NUK Abteilung wurde in dieser Zeit als Lehrabteilung der Universitäten Innsbruck, Wien und Graz akkreditiert, in weiterer Folge erfolgte auch eine Zertifizierung als Cancer Center für Endokrine Malignome.

Neben unzähligen und wegweisenden wissenschaftlichen Publikationen tragen auch die über viele Jahre sehr erfolgreich organisierten nuklearmedizinischen Wörthersee- und Alpe Adria Symposien seine persönliche Handschrift. In den Jahren 2009 – 2010 war Peter Lind auch noch als ärztlichen Direktor am LKH Klagenfurt tätig.

Besonders beeindruckend war – zur grossen Freude aller Freunde und Kollegen – seine Stärke nach einer schweren Erkrankung 2011 wieder zu alter Frische und Form zurückzukehren. Ganz gezielt setzte er danach neue wissenschaftliche, berufliche und organisatorische Aktivitäten und fand bis 2024 bewusst mehr Zeit für seine Familie und für die Dinge, die ihm persönlich wichtig waren.

Was bleibt, sind nicht nur seine grossen Verdienste um die Nuklearmedizin, sondern vor allem die vielen persönlichen Begegnungen, Gespräche und Erinnerungen. Peter Lind hat Spuren hinterlassen – in seinem Fach, aber vor allem in den Menschen, die ihn kannten. Uns allen, seinen Freunden, den österreichischen und internationalen Nuklearmedizinern und der EANM – Community wird er so immer in aussergewöhnlicher Erinnerung bleiben.

Unser tief empfundenes Mitgefühl gilt seiner Familie.
Werner Langsteger